Scheidung: ein Risiko für Kinder?

Laut neusten Informationen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden in Deutschland im Jahr 2011 rund 187 600 Ehen geschieden. Damit liegt die Scheidungsrate, 0,3 % höher als im Jahr 2010. Die reine Anzahl der Scheidungen sinkt somit zwar, die Scheidungsrate steigt jedoch weiterhin leicht an. 1992 endeten von 1 000 bestehenden Ehen nur jede siebte vor dem Scheidungsrichter, aktuell trifft es dagegen statistisch gesehen jedes elfte Paar. Fast die Hälfte der Ehepaare, die sich 2011 scheiden ließen, hatten Kinder unter 18 Jahren. Insgesamt waren 2011 rund 148 200 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, 2,1 % mehr als im Vorjahr.  

Die meisten Eltern sind stark verunsichert, ob und inwiefern eine Scheidung als Risiko für die Entwicklung ihres Kindes gelten kann. Nicht selten wird aufgrund dieser kritischen Reflexion trotz unüberwindlicher Probleme zwischen den Erwachsenen eine Trennung schließlich doch wieder verworfen. Die Statistik für Deutschland zeigt weiterhin, dass einer Scheidung mehrheitlich eine längere Phase der Trennung voraus ging. Bei der Mehrzahl aller Scheidungen 2011 (153 700 Ehen) waren die Ehepartner bereits seit mindestens einem Jahr getrennt.

Im Jahr 2011 lag durchschnittliche Dauer einer Ehe bei 14 Jahre und 6 Monaten. Bis sich ein Ehepaar letztlich für den Schritt vor den Scheidungsrichter entschließt vergeht demnach häufig eine längere Zeit des Zweifelns. Ob eine Scheidung für das gemeinsame Kind zu einer traumatisierenden Erfahrung wird oder ob die Auflösung der Ehe letztlich der juristische Akt ist, der auch für das Kind eine positive Veränderung bedeuten kann hängt von vielen Einflussfaktoren ab.

Gab es zwischen den Bezugspersonen im Vorfeld heftige Spannungen und Streitereien, reden die Eltern nach der Trennung im Beisein des Kindes schlecht voneinander oder benutzen das Kind sogar als Druckmittel um ihre Wünsche bei dem Ex-Partner durchzusetzen, bleiben negative Folgen bei dem Kind kurz- oder langfristig nicht aus. Falls sich eine Trennung trotz intensiver Bemühungen der Ehepartner nicht verhindern lässt, sollten die Eltern unbedingt auf einen respektvollen Umgang miteinander achten.

Natürlich ist dies nicht immer einfach und hängt stark von den Beweggründen ab, die zur Trennung geführt haben. Dennoch gilt: Je mehr Klarheit beide Partner im Hinblick auf die bevorstehende Scheidung mitbringen, umso reibungsloser verläuft die Trennung. Im Vorfeld kann eine Paartherapie helfen alle noch bestehenden Chancen zu nutzen die Partnerschaft zu retten. Falls diese sich dennoch nicht vermeiden lässt hilft eine gemeinsame Therapie dem Paar klar zu formulieren, dass eine Scheidung für alle Beteiligten dennoch das Beste ist.

Mediatoren und professionelle Berater helfen schließlich dabei die Konsequenzen auf einer neutralen Ebene zu klären. Oft versuchen Eltern im Sinne des Kindes Schwierigkeiten zu verheimlichen und beteuern dem Kind, „das alles ok ist“. Kinder haben jedoch sehr feine Fühler und spüren, wenn eine Trennung unausweichlich ist. Seien sie also besser ehrlich. Sprechen sie auch mögliche Ängste des Kindes direkt an. Dies eröffnet die Möglichkeit gemeinsam eventuelle Schuldgefühle bei dem Kind auszuräumen und notwendige Schritte in Richtung Bewältigung ein zu leiten. Aus der Unsicherheit heraus versuchen Kinder oftmals ihre Gefühle zu verbergen. Sie wollen Mama oder Papa nicht noch trauriger machen und teilen ihre Gedanken und Gefühle daher nicht mit. Achten sie als Eltern deshalb darauf wie das Kind während und in der Folgezeit der Scheidung reagiert.

Leistungsprobleme in der Schule, Aggressionen, auffälliges Verhalten (stehlen, zündeln, herumtreiben) sind offensichtliche Anzeichen für das Umfeld. Aber auch psychosomatischen Beschwerden, depressiven Rückzugstendenzen und Zwängen gilt es sensibel gegenüber zu sein. Falls sie das Gefühl haben, ihr Kind möchte sie mit seinen Problemen nicht belasten scheuen sie sich nicht therapeutische Hilfe für ihr Kind in Erwägung zu ziehen. 

Quellen:

  • https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/07/PD12_241_12631. Pressemitteilung Nr. 241 vom 11.07.2012
  • Gloor Maung, P. (2003): Scheiden tut auch Kindern weh. Welche Hilfe Kinder brauchen, wenn Eltern sich trennen. Freiburg
  • Eckhardt, J. (2005): Kinder und Trauma. Was Kinder brauchen, die einen Unfall, einen Todesfall, eine Katastrophe, Trennung, Missbrauch oder Mobbing erlebt haben. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

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