Die Angst davor loszulassen

Häufig halten wir lieber an Dingen fest, anstatt sich von ihnen zu lösen. Wir setzen viel Kraft für das Alte ein, weil das Neue zu fremd und angstbesetzt ist (Tarr, 2007). Statt Angst vor dem Neuen zu haben, sollten wir viel eher Angst vor dem Festhalten haben. Denn nach Miller & Wrosch riskieren wir unsere Gesundheit, wenn wir nicht lernen uns von Dingen zu trennen. Die Forscher befragten amerikanische Jugendliche, wie sie damit umgingen, wenn sich ihre Lebensziele nicht verwirklichen und bestimmten bei diesen Probanden darüber hinaus den Level eines Proteins (C-reaktives Protein (CRP)) im Blut, was als Marker für Entzündungsprozesse im Körper gilt. Erhöhte CRP-Level sprechen für ein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Miller & Wrosch stellten fest, dass die Jugendlichen, die sich schlechter von verfehlten Zielen lösen konnten einen höheren CRP-Spiegel im Blut aufwiesen, als diejenigen die weniger Schwierigkeiten hatten, an unerreichten Zielen festzuhalten (Nuber, 2011).   

Wer loslässt lebt aber nur dann gesünder, wenn er das nicht erreichte Ziel nicht schnell verdrängt wird, sondern bewusst wahrnimmt und in angemessener Form verarbeitet.

Damit ein Loslassen möglich ist, müssen wir fähig sein, uns vom alten unerreichbaren Ziel zu lösen und nach Alternativen suchen. Carver & Scheier (2003) konnten in einer Studie zeigen, dass sich Eltern krebskranker Kinder weniger depressiv zeigten, wenn sie sich von alten Zielen lösen konnten. Eltern die z.B. nach der Krebsdiagnose ihre wesentliche Aufgabe in der Betreuung des Kindes sahen und die berufliche Karriere nicht mehr so in den Vordergrund stellten, waren weniger depressiv.

Wer loslassen kann bekommt auch neue Chance und gewinnt an Selbstvertrauen. Dies geht aber nur, wenn wir uns der Unerreichbarkeit des Ziels bewusst sind und bemerken, dass ein weiteres Festhalten an dem Ziel nicht sinnvoll ist. Wer sich nicht eingestehen will, dass er seine beruflich gesteckten Ziele nicht erreichen kann, wer weiterhin an einer bereits zerbrochenen Beziehung festhält, der verpasst es, im Verlorenen das Gewonnene zu entdecken. Wir müssen verlieren können, um anschließend wieder zu gewinnen (Nuber, 2011).

Quellen:

Carver CS, Scheier MF (2003). Three human strengths. In: L.G. Aspinwall, U. Staudinger (Eds.): A psychology of human strengths. American Psychological Association.

Nuber U (2011). Es sollte nicht sein…. Psychologie heute compact,  29, S. 58-61.

Tarr I (2007). Loslassen – die Kunst, die vieles leichter macht. Herder, Freiburg.

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