Dem Tief davonlaufen: Hilft Sport gegen Depression?

Gesunder Geist in gesundem Körper: seit Jahrtausenden wird diese Maxime des römischen Dichters Juvenal als Motivation zu mehr Bewegung genutzt. Lässt sich dieser Zusammenhang auch für psychische Erkrankungen finden? Oft raten Angehörige depressiven Menschen wohlmeinend zu körperlicher Betätigung – um „den Kopf freizukriegen“, „mal rauszukommen“. Doch ist das im Falle einer depressiven Erkrankung tatsächlich wirksam?

Physiologisch ist sportliche Aktivität in jedem Fall eine Wohltat. Die Durchblutung wird angeregt, das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen sinkt und der Hormonhaushalt ausbalanciert – unter anderem das Stresshormon Cortisol und die mit psychischem Wohlbefinden im Zusammenhang stehenden Stoffe Dopamin und Serotonin.

Auch die psychischen Effekte von Bewegung kennen alle, die sich schon mal beim Laufen, Tanzen oder Yoga angenehm verausgabt haben: Entspannte Zufriedenheit stellt sich ein, Ärger oder Anspannung verfliegen beim Auspowern, trotz Energieaufwand ist mehr Vitalität spürbar. Außerdem gibt es Anzeichen dafür, dass „positiver Stress“ durch sportliche Belastung für die Verarbeitung negativen Stresserlebens wappnet.

Positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden konnten in diversen Studien auch bei an Depression erkrankten Menschen festgestellt werden. Durch eine geleistete Trainingseinheit stellen sich Stück für Stück Erfolgserlebnisse ein, das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit steigt – Empfindungen, die bei Depressiven oft rar geworden sind. Das Gefühl, selbst zu handeln und sich Gutes zu tun, statt nur passiv auf die Wirkung von Medikamenten zu vertrauen steigert auch die Empfindung von Selbstwirksamkeit. Auf diese Weise kann auch ein negatives Selbstbild effektiv beeinflusst werden.

Auch am Rat „mal rauszukommen“ ist durchaus etwas dran. Bewegung unter freiem Himmel kann helfen, aus quälenden Gedankenkreisen in den eigenen vier Wänden herauszubrechen und kurzzeitig den berühmten Tapetenwechsel durchzuführen. Sind an der Aktivität noch andere Personen beteiligt, kommt die soziale Komponente hinzu. Gegenseitige Motivation und Unterstützung fangen in schwierigen Momenten auf und ein gewisser Grad an Verpflichtung hilft, den Alltag zu strukturieren und dem Teufelskreis von Unlust und mangelnder Bewegung zu entkommen.

Trotz aller positiven Effekte: Empirisch wirklich stichhaltige Beweise für die Wirksamkeit von Sport als Heilmittel gegen Depression fehlen bislang. In der TREAD-Studie (TREAtment of Depression with physical activity) der Universität Bristol ergaben sich für die Interventionsgruppe mit Sportangebot zusätzlich zu Therapie und medikamentöser Behandlung keine signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe. In einem Review vorhandener Studien zu sportlichen Trainings von Cooney et al. konnten nur mäßige Effekte gefunden werden.

Eine vermutete negative Folge von Sport könnte bei an Depression Erkrankten auch gesteigerter Leistungsdruck sein. Beim Scheitern an den eigenen hohen Erwartungen ergibt sich dann unter Umständen wiederum negative Stimmung und Unzufriedenheit.

Fazit: In Anbetracht der subjektiv empfundenen positiven Effekte von Sport auf den Gemütszustand ist keineswegs von angemessener körperlicher Betätigung in von Leistungsdruck freier Atmosphäre abzuraten. Als alleiniges Heilmittel ist Training aber nach heutigem Wissensstand nicht ausreichend.

Quellen:

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